Filmgespräch mit Gästen - Eintritt frei
24.06.2026 | 10:00 - 12:30 Uhr | Dessau
Ort: UCI Kinowelt Dessau
Zu Gast: wird noch bekanntgegeben
Soziale Medien bestimmen unser Leben schon seit geraumer Weile. (Fast) jeder von uns konsumiert ihre Inhalte, für junge Menschen sind sie zum Teil einzige Informationsquelle. Sie produzieren Helden, Trends, Shitstorms und jede Menge Influencerinnen und Influencer, die, bei entsprechender Resonanz, sehr gut Leben können durch Werbedeals. Doch was passiert, wenn ein komplettes Familienleben zum Geschäftsmodell wird?
Wir möchten anhand der Films „Babystar“ mit Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern darüber in Dessau sprechen. Seien Sie herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Sie können sich ab sofort anmelden unter:
schuetz@schulkinowochen.de
Ansprechpartner: Peter Schütz, Telefon: 0361-66386-20
EINTRITT FREI
BABYSTAR
Drama / Deutschland 2025 / 102 Min. / Regie: Joscha Bongard
ab 9. Klasse / empfohlen ab 14 Jahren / FSK: 12
Unterrichtsfächer Ethik, Sozialkunde, Deutsch, Politik, Philosophie, Medienbildung
Themen Social Media, Influencer, Selbstdarstellung und Inszenierung, Identität, Kapitalismus, Familiendynamiken
Luca (16) ist erfolgreich im Influencer-Business. Alles, was in ihrem Hochglanz-Leben passiert, vermarkten ihre jungen Eltern als Family-Content im Internet. Seit dem ersten Ultraschallbild Lucas nehmen Millionen Followerinnen am Privatleben der Familie teil, verfolgen ihr Aufwachsen aus jedem abgefilmten Winkel ihrer schicken Villa mit Pool. Die Eltern-Kind Gespräche der Heranwachsenden finden als Podcasts statt, Lucas Avatar wird zur „Freundin“ für Millionen auf dem Handy – alles wird zu Geld gemacht. Als die Eltern ihre Tochter vor laufender Kamera mit ihrer Entscheidung für ein neues Kind überraschen, bricht Lucas Welt zusammen. Wo wird ihr Platz innerhalb der Familie sein, wenn ein neuer Babystar die Bühne betritt? Sie verliert den Halt – und wird dabei gnadenlos abgefilmt. Alles für Klicks im Internet. Gefangen im eigenen Netz versucht Luca gegen ihre Eltern zu rebellieren. Sie verweigert ihre Mitarbeit, mietet sich in einem Hotel ein, bittet eine Kollegin des Family-Business darum, ihre Freundin zu sein. Aber sie hat nie gelernt, wie Leben jenseits der Kamera geht – und wie man Freundinnen statt Follower:innen hat.
Umsetzung
Joscha Bongard untersucht in seinem Film, was mit jungen Menschen passiert, die in der Öffentlichkeit des Internets heranwachsen. Dafür erzählt er die Entwicklung der jungen Protagonistin nicht über ausgespielte Emotionen, sondern mit den Mitteln der (Selbst-) Inszenierung auf Social-Media: Jumpcut-Schnitte selbstgedrehter Videos mit Einstellungen auf Armlänge, von leicht oben gefilmt. Wenn die Kamera nah an Luca ist, bleibt da ein undurchdringliches, perfektes Gesicht, das auf Knopfdruck, so wie in einer Szene vorgeführt, die Emotionen in aller Schönheit wechseln kann. Ihre Gefühle durchbrechen die Fassade ihrer Selbstinszenierung nur, um in einer weiteren Inszenierung zu münden: eine provokante Aktion, wie das Versenken des Laptops des Vaters im Pool, anstelle eines klärenden Gesprächs. Der Zuschauer kann sich genauso wie Luca selbst nie sicher sein, ob die Aktionen der Familie real oder inszeniert sind. Der Einsatz sphärischer Musik und statischer Aufnahmen von oben, die teils wie Überwachungskameras anmuten, unterstützen den Eindruck von Isoliertheit der Personen in ihrer eigenen Welt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Viele junge Menschen verbringen heute viel Zeit mit den inszenierten Leben anderer auf Social Media. Der Film bietet eine gute Grundlage, diese indirekte Art der Welterfahrung in ihren Funktionsweisen, inneren Logiken und Auswirkungen auf das eigene Selbstbild gemeinsam zu reflektieren. Die Filmsprache, mit der Lucas Welt gezeigt wird, bietet sich für den Einstieg ins Thema an: Welche Bilder produziert die Familie für ihre Kanäle, was zeigen sie nicht? Mit welchen filmischen Mitteln erzählt der Regisseur die Dynamiken der Familie hinter ihrer Selbstinszenierung? Wie hat die Ausbeutung von Lucas Privatleben nach den Logiken des Marktes sie zu der Person gemacht, die sie ist? Und allgemeiner: Was macht es mit einer, wenn man Erlebtes nicht einfach pur empfindet, sondern es sofort daraufhin auswertet, wie es von außen aussieht und aus welchem Winkel man es am besten filmt und später postet? Nach welchen Werten kann man Grenzen ziehen, zwischen einem gesunden Interesse an anderen Leben und einem krankmachenden Konsum von „Secondhand-Leben“, statt eigene Erfahrungen zu machen?

